Tagsüber in der Sonne sitzen, bei Cappuccino und Wasser, abends am Computer, bei Anschreiben, Lebensläufen und Zeugnissen. Auf der Jagd nach einem neuen Job. Das Leben kann so schön sein.
Kann?
Nein, es ist schön!
Bis auf einige winzigkleine Wölkchen am sonnigen Fun_employment-Himmel...
Vor wenigen Tagen hat mein fünfter Monat ohne feste Beschäftigung begonnen.
Jeden Morgen checke ich als erstes die Newsletter-Abos der großen Jobbörsen, sowie die Jobbörsen selbst, immer auf der Jagd nach dem Job, der mich wieder in die Arbeitswelt zurückbringt. Zumeist handelt es sich um Angebote von sogenannten Personalvermittlern.
Mein Vorgehen variiere ich nach Tagesform. Meistens suche ich den telefonischen Erstkontakt, frage z. B. nach, an wen genau die Bewerbung zu richten ist oder was sich noch hinter dem Anforderungskatalog befinden könnte. Antwort (mit 80%-iger Wahrscheinlichkeit): "Tut uns leid, der Job ist schon weg." Und dann: "Aber schicken Sie uns doch trotzdem ihre Unterlagen. Wir melden uns, wenn wir etwas Passendes haben." Das klingt unwahrscheinlich, aber ich tue es meistens trotzdem.
Sehr viel ehrlicher, um nicht zu sagen "frech", fand ich die Mail einer Personalvermittlungsagentur, die folgenden Wortlaut hatte:
Sehr geehrte Frau X.,
vielen Dank für Ihre Bewerbung und für Ihr Interesse an der XXX-Jobs GmbH.
Leider sind bei uns zurzeit keine Positionen frei, die Ihren Qualifikationen entsprechen. Wir würden uns aber freuen, wenn Sie sich in Zukunft auf unserer Website über freie Jobs informieren.
In jedem Fall wünschen wir Ihnen alles Gute und viel Erfolg bei der Jobsuche!
Herzliche Grüße
XYZ
Kurzes Stirnrunzeln. Dann ruhig weiteratmen.
Diese Mail hat mich zumindest auf die Idee gebracht, mich mit einer Personalvermittlungsagentur selbstständig zu machen. Doch, wirklich.
Offenbar bedarf es dazu lediglich eines Webauftrittes mit ein paar Jobangeboten, entsprechend verschlagwortet und beworben, um potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten auf die Seite zu lotsen. Da die meisten dort wahrscheinlich nicht fündig werden können, werden sie dazu aufgefordert, ihre Daten einzugeben, CV und Zeugnisse hochzuladen, und schon hat man ein hervorragendes Verzeichnis aus lauter sensiblen Daten, mit denen man später vielleicht auch noch etwas Anderes.... Aber nein, kleiner Scherz, das wäre ja kriminell.
Zurück zum eigentlichen Geschäft. Also, erstens bekommen die Jobsuchenden das Gefühl, mit Eingabe ihrer umfangreichen Kenntnisse seien sie AKTIV auf Jobsuche. Die Mail mit obigem, ernüchterndem Inhalt, die bekommt man ja erst, nachdem man die ganze Eingabeprozedur hinter sich gebracht hat.
Und zweitens kann man sich "Personalvermittlerin" auf die Visitenkarte drucken, aber die Bewerberinnen und Bewerber die ganze Arbeit für sich machen lassen, denn die müssen ja jeden Tag nachschauen, ob eventuell eine passende Vakanz im Angebot ist.
Wie naiv von mir anzunehmen, dass hinter solchen Datenbanken Suchroutinen programmiert sind, z. B. wie bei monster.de, die Kandidatenprofil und Jobangebot abgleichen (neudeutsch: matchen), um eine gewisse Kongruenz herauszufiltern.
Nein, nein, viel zu aufwändig. Obige Personalvermittlung lässt wahrscheinlich einfach ein paar Informatik-Studenten im Netz Stellen bei anderen Jobbörsen recherchieren bzw. in die hauseigene Datenbank eingeben. Und falls tatsächlich einmal eine Vermittlung über das Portal zustande kommt, kassiert man einfach nur die (möglichst hohe) Provision. So sind am Ende alle glücklich. Und genauso würde ich es mit meiner Agentur natürlich auch machen.
Vielleicht könnte man ja die Homepage auch noch als interessanten Werbeplatz an Jobbörsen vermarkten und darüber ebenfalls einen gewissen Cash-Flow generieren... Eine klassische Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten.
Nun muss ich aber los. Personal vermitteln.
Neulich, in Travemünde
Vor 5 Tagen
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