Wir befinden uns in der Vorglühphase zum Bundeswahlkampf 2009. Stichtag ist der 27. September. Frau Merkel genießt höchste Umfragewerte. Sagen die Medien. Dicht gefolgt vom "coolen Baron", dem CSU-Wirtschaftsminister zu Guttenberg. Sagen die Medien. Die SPD wird es schwer haben bei der Wahl. Sagen die Medien. Es sei denn, es gelänge, den letzten Superstar in den Reihen der Sozis, Klaus Wowereit, rechtzeitig und mit genügend Effet in Szene zu setzen. Sagen die Medien.
Es ist also wie immer, wenn eine Bundestagswahl bevorsteht: Die Parteien verfallen aufgrund von Umfragewerten in hektische Betriebsamkeit, und die Presse - online wie offline - nutzt jede erdenkliche Möglichkeit, Meinungen zu verbreiten, Meinungen zu beeinflussen und letztendlich eine Stimmung in der Bevölkerung zu kreieren. So oder so.
Und so scheint es, dass es derzeit nur einen Mann gibt, der unbeirrt und unbeeinflusst von Umfragen, Prognosen und politischen Zwistigkeiten seinen Weg geht: Horst Schlämmer, der Vorsitzende der noch sehr jungen Partei HSP (Horst Schlämmer Partei). Sein Programm besteht aus sechs einfachen Forderungen:
1. Sonnenbank für alle – gratis. Dafür ist der Staat da.
2. Die Verkehrssünderkartei in Flensburg wird aufgelöst.
3. Das Rauchverbot wird abgeschafft – überall, wo ich bin.
4. Schönheitsoperationen für alle – auf Kasse. Gucken Sie mich an.
5. Das Wahlalter wird auf 12 Jahre heruntergesetzt.
6. Wir führen den Bundeshasen als Wappentier ein! Er steht für Frühling und Neubeginn. Wir müssen den Bundestag übermalen und aus den Adlerflügeln werden Schlappohren.
Horst Schlämmer ist in allen Medien und auf allen Kanälen präsent. Bei bild.de stellt er sich dem Bundes-Voting und führt die Beliebtheitsskala mit 81% vor Angela Merkel (12%) und Frank-Walter Steinmeier (7%) mehr als deutlich an. Bei Facebook wurde innerhalb von zwei Wochen die 10.000-Mitglieder-Marke des HSP-Fanclub geknackt. Und auf youtube.de kursieren verschiedenste Wahlvideos der Partei, deren Slogan an Obama angelehnt "Yes weekend" lautet.
Nun weiß zwar jede/r, dass Horst Schlämmer lediglich eine Kunstfigur ist, dennoch - oder gerade deshalb - erfährt er enormen Zuspruch, quer durch alle Altersschichten und sozialen Gruppierungen. Was würde eigentlich geschehen, wenn die HSP tatsächlich am 27. September auf dem Wahlzettel aufgeführt wäre?
Hape Kerkeling inszeniert seine Reportagen oder Wahlwerbespots als "Reality Soap" mit Figuren, bei denen man zwischen Mitgefühl und Schadenfreude schwankt und sich fragt, welcher Teil davon authentisch und welcher vorher abgesprochen war.
Dennoch, die Wahlwerbung für die HSP ist und bleibt nichts anderes als eine medienübergreifende Werbekampagne für den Film "Horst Schlämmer - Isch kandidiere!", der im August - noch vor der Wahl - in die deutschen Kinos kommt. Eine verdammt gut durchdachte Werbekampagne. Zwar lässt sich das Marketinginstrumentarium nicht genau bestimmen und voneinander abgrenzen - ein bißchen Below the Line, ein bißchen Guerilla, ein bißchen Viral, ein bißchen Social Media Marketing. In jedem Fall aber ist die Horst-Schlämmer-Kampagne eines: gelungen. Und zwar nicht zuletzt deshalb, weil Marketing und Medien perfekt aufeinander abgestimmt sind.
Deutschland im Krisen- und Wahljahr 2009.
Es gäbe einiges zu tun in Sachen Marketing.
Neulich, in Travemünde
Vor 1 Woche
Sehr guter Beitrag!
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